Wir waren ja nur Mädchen - Ursulinenschülerinnen erinnern sich

Eine Klangausstellung
27. November 1998 - 31. Januar 1999

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Der 2. Weltkrieg ist zuende. Die Zeit steht nicht still. In Linz bildet bis 1955 die Donau die Demarkationslinie zwischen dem amerikanisch besetzten Linz und dem sowjetisch besetzten Urfahr. Das, was die Teenager in Linz interessiert, sind dieselben Stars, Sterne, Sputnik- und bemannten Raumflüge wie anderenorts. Zwischen dem Besuch des persischen Schah und seiner Frau in Linz (1961) und den Beatles in Salzburg (1964) tut sich der Alltag auf.

Mit dem Ausstellungsprojekt "Wir waren ja nur Mädchen" geht das O.K Centrum für Gegenwartskunst in das Jahr 1999. "Wir waren ja nur Mädchen" basiert auf 70 aufgezeichneten Gesprächen mit Frauen, die zwischen 1945 und der Schließung im Jahr 1968 die Ursulinenschule an der Dametzstraße in Linz besuchten. Das Schulgebäude, 1930 im Auftrag des Ordens errichtet, beherbergt heute das O.K. Die Kunstinstitution spürt also mit dem Projekt auch der eigenen Geschichte nach. Protagonistinnen sind jedoch die ehemaligen Schülerinnen. Anhand ihrer Aussagen entsteht ein Panorama zur frauenspezifischen Sicht der Dinge zweier Nachkriegsgenerationen im Spannungsbogen eines sich verändernden Frauen(selbst)bildes.

"Wir waren ja nur Mädchen" ist ein provokanter wie doppeldeutiger Titel. "Wir waren ja nur Mädchen" - heißt das weniger "wert" zu sein als Jungen? Eine Selbstaussage mit integriertem Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit?

"Nur Mädchen" verweist nicht zuletzt auf eine Kernthematik der Ausstellung: "Nur Mädchen" waren an den verschiedenen Schulzweigen der Ursulinenschule eingeschrieben, Väter, Freunde oder Brüder hatten jenseits des von Mauern umgebenen Gartens vor dem Bau zu warten.

Was im O.K ab dem 27. November ausgestellt ist, sind Geschichten, Anekdoten aus dem Alltag in der Schule, aus dem Leben im Linz zwischen Nachkrieg und Wirtschaftswunder. Die Ausstellung kommt dabei ohne Bilder aus, Sprache, Ton und Licht sind die Träger der Installation.

70 Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen aus Schule und Internat wurden im Vorfeld geführt. Die Einzelaussagen werden in der von einem Team (Isabelle Muhr, Sonja Meller) um Andrea Sodomka und Martin Breindl realisierten Klanginstallation zum akustischen Assoziationsstrom. Dieser Strom verteilt sich in Form von über unterschiedliche Lautsprechersysteme hörbaren Klangbildern in wechselnder Intensität und Intimität über weite Teile des Hauses.

Zu hören sind fragmentarisch aufgebaute Spots und Zeitprotokolle. BesucherInnen gehen durch Klangschleusen in hörbare Architekturen oder bewegen sich in einer akustischen Zeitreise.

Aus Geschichten - Mosaiksteinen - etwa um den Sound von Sputnik via Telephon, um Mode und Kleiderordnung, Rebellion und Anpassung, Einsamkeit und Wir-Gefühl, Alltag und Ausgehen entsteht ein Stück lebendige Geschichte.

Für den Katalog zur Ausstellung hat die Schriftstellerin Elfriede Kern eine Collage aus literarischen Texten und Passagen der Schülerinnen-Interviews zusammengestellt. Ergänzt wird das Buch durch eine beiliegende CD, eine Art Compilation zur Ausstellung, die zusätzlich zu Original-Klangmaterial aus dem Projekt einen akustischen Gang durch das O.K beinhaltet.


Wir waren ja nur Mädchen

Präsentation der CD zum Katalog
Di, 22. Dezember, 19.00

Der Katalog zu der Klangausstellung Wir waren ja nur Mädchen, eine literarische Collage, wird durch eine CD ergänzt. Diese CD, eine Art Compilation zur Ausstellung, enthält zusätzlich zu Original-Klangmaterial aus dem Projekt einen akustischen Rundgang durch das O.K.

Mit Andrea Sodomka und Martin Breindl